
Freitag, 8. Mai 2009
Anna und die griechische Liebe
Die vergangenen spielfreien Comedy Hirten Abende habe ich zur kulturellen Weiterbildung genützt. Herbert Haider parodiert in „Ferngestört“ kurz, aber gekonnt Anna Netrebko, Zeit einmal das Original aufzusuchen. Ein Ö3-Arbeitskollege und Opernliebhaber, natürlich gibt es so etwas bei Ö3, hat mir eine mir leistbare Karte für La Traviata in der Wiener Staatsoper besorgt. Nun sitze ich also da, ganz oben in der Galerie, 1. Reihe, quasi Fegefeuerposition für Opernhasser mit Höhenangst. Während alle rund um mich vor Vorfreude schon außer sich sind, plagen mich seit St. Johann nicht unbegründete Ängste, meine Brille würde nicht halten und einige Meter runter in den Orchestergraben segeln. Auf meiner Karte steht noch dazu Sichteinschränkung, da sind Neurosen wirklich nicht unbegründet.
Aber dann ist sie nicht zu übersehen –Anna Netrebko, sie singt zwar eine Nuance schöner als Herbert, aber wie soll ich sagen die Anna ist auch nicht mehr die dünnste, aber kein Wunder sie ist ja mittlerweile auch Doppelstaatsbürgerin. Meine Erkenntnis des Abends ist jedoch, dass die größte Anstrengung einer Oper im Pausen Small Talk liegt. Einmal mehr bin ich froh, dass ich im letzten Jahr den zwölfwöchigen WIFI-Sommerkurs: „Sicheres Auftreten bei vollkommener Ahnungslosigkeit“ absolviert habe. Plötzlich werde ich nämlich mit Fragen konfrontiert, ob ich gemerkt hätte, dass Anna im 1. Bild irgendwo nicht ganz raufgekommen sein soll. Ich weiß nicht, aber es kann schon sein, bei mir oben in der Galerie war sie jedenfalls nicht. Danach werde ich gefragt, wie es mir im Generellen gefällt. Ich glaube mit meiner Antwort: „ein Giuseppe Verdi hat damals auch so seine Hits gehabt wie heute ein DJ Ötzi“ habe ich die Opernfans mit meinem Insiderwissen wirklich beeindruckt.
Endlich ist der Small Talk weg von Arien und hohem C, jemand erzählt mir, dass er gerade in Singapur lebt und dort ist es ganz toll, da man von Singapur mit dem Flieger gleich überall ist. Interessante Lebenseinstellung, dies erinnert mich an eine Frau (ich werde immer mehr zu Alfred Gusenbauer), die mir einmal gesagt hat, sie lebt so gerne in Salzburg, weil da ist man in einer Stunde in München. Warum lebt sie dann nicht gleich in München? Philosophie Fragen, die uns direkt in die Antike führen. Wer unter einer griechischen Tragödie einen missglückten Analverkehr versteht, möge hier bereits zu lesen aufhören. Allen anderen, sei hier noch ein Veranstaltungstipp ans Herz gelegt.
Wer Ö3 Nachrichtenmann Jürgen Pfaffinger als hervorragenden Schauspieler erleben möchte, könnte dies tun. Er spielt im Theater Spielraum im 7. Wiener Gemeindebezirk den Kreon in Sophokles „Antigone“. (Alle Infos unter www.theaterspielraum.at, es sollten Zusatztermine folgen). Ein schönes, hautnahes Theatererlebnis der besonderen Art. Nicht lustig, aber sehenswert! Und nach so viel Hochkultur freue ich mich jetzt wieder in die Niederungen der Kleinkunst zu begeben und mache mich mit Peter, Gernot und Herbert gleich auf zum nächsten „Ferngestört“-Auftrit!
Liebe Grüße und bis bald,
Christian
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