
Samstag, 28. März 2009
Ich bin ein Götziser
Wenn jemand so wie ich viel Zeit mit Gernot Kulis verbringt, kann er diesem Menschen wohl nie vorwerfen, dass er keine guten Manieren habe. Neben dem üblichen „Bitte“ und „Danke“ stellt für Gernot auch die Verabschiedung ein wesentliches Ritual dar. Deshalb plagen Gernot gerade im Auto Gewissensbisse. Wir sind vom Gasthof Rieder in Jenbach unterwegs zum 6km entfernten Achensee und dies ohne uns davor beim Chef des Hauses verabschiedet zu haben, da er gerade nicht anwesend war. Schuld daran wird wohl der Bus gewesen sein, welchen das Gasthof Rieder heute erwartet, und welcher auch dazu geführt hat, dass das dortige Reinigungspersonal Gernot und Peter so schnell aus dem Zimmer befördert haben, wie es zuletzt 2006 unsere Biathleten bei der Doping Razzia in Turin erlebt haben. Da ansonsten aber alles bestens in diesem Haus war, schauen wir 20 Minuten später wieder im Gasthof Rieder vorbei um „Auf Wiedersehen“ zu sagen, um mit ruhigem Gewissen unsere nächste Station anzupeilen – die Vorarlberg Premiere von „Ferngestört“ in Götzis.
Veronika vom Musikladen und ihr Team leisten beste Arbeit und wir erleben im dortigen Kulturzentrum einen schönen Auftritt. Für den unfreiwilligsten Lacher des Tages sorgt Peter Moizi, in dem er sich – angelehnt an John F. Kennedys legendären Satz: „Ich bin ein Berliner“ als Haschim Paschku in der Assylmania-Nummer zur Äußerung: „Ich bin ein Götziser“ hinreißen lässt. Großes Gelächter im Saale, da die Bewohner aus Götzis Götzner heißen, wie wir später erfahren werden.
Einige Götzner empfehlen uns danach das „Huber`s“. Noch trockener als unser Humor an unserem Tisch ist nur der Toast, aber ansonsten tolles Ambiente, tolle Stimmung und tolle Leute. Daher liegt es nicht nur an der Umstellung auf die Sommerzeit, dass wir im „Huber`s“ länger verweilen. Zwei Damen aus dem Ländle, keine Götziserinnen, pardon Götznerinnen, gesellen sich zu uns an den Tisch, jedoch nicht um über unsere Show zu sprechen, nein dort waren sie gar nicht, sie haben den Ö3 Callboy, Gernot Kulis erkannt und dieser erledigt in seiner gutmütigen Art von der Mobilboxansage, Geburtstagsgratulation bis hin zu Fotos jede Bitte dieser Damen. Als Gernot sich verabschiedet hat, werde aber auch ich Ohrenzeuge meiner unglaublichen Berühmtheit, als eine der beiden am Handy erzählt, dass sie eben den Ö3 Callboy getroffen hat, aber jetzt sitzt nur mehr sein Manager da. In meiner neuen Funktion berufe ich gleich die erste Sitzung ein. Vom WC zurückgekommen, sind die beiden Damen weg. Ohne sich zu verabschieden. Ich zähle auf den „Gasthof-Rieder-Effekt“ und verweile noch 20 Minuten im Lokal, um danach zur Erkenntnis zu gelangen, dass nicht jeder ein Gernot Kulis sein kann.
Liebe Grüße und bis bald,
Christian
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