
St. Johann, Samstag, 2. Mai 2009
Ist da jemand?
Im wahrsten Sinne des Wortes bereitete mir der Auftritt in St. Johann in Tirol Kopfzerbrechen. Vorneweg: dem Kaisersaal ist nichts passiert! In „Ferngestört „ gibt es gegen Ende des Stücks eine Szene, in der ich als Kriminalpsychologe und Profiler Thomas Müller mitten im Publikum auftauche. Aus diesem Grund muss ich bei einem Hinterausgang raus, um mich dann entweder bei einem Seiten- oder Haupteingang wieder reinzuschleichen. Nicht ganz eine Minute hab ich dafür Zeit, daher wird dieser Vorgang von mir zumeist im Sprint erledigt.
49mal probiert, 49mal ist nichts passiert – 49 und 1 Nacht und es hat Bumm gemacht. Hat mich ein Licht geblendet oder waren meine Gedanken schon wieder auf der Bühne, die Ursache ist noch nicht geklärt, die Wirkung jedoch war fatal. Ich bin mit vollem Lauftempo in eine Glasscheibe gekracht, meine Brille ist gebrochen und was meinen Zustand betrifft sag ich einmal so, der Überraschungsmoment lag ganz klar auf der Seite der Scheibe. Noch benommen habe ich mich in einem vollen Kaiserssaal wieder gefunden, um das Stück zu Ende zu spielen. Der Schockzustand wurde weniger, der Schmerz größer. Hoffentlich blute ich nicht irgendwo, habe ich mir gedacht. Es würde mir sicher keiner helfen, da das Publikum einer Comedyshow sicherlich glaubt, dies ist Teil des Stücks und obendrein noch begeistert ob der Special Effekte ist. Da die Folgen meines gar nicht so zärtlichen Scheibenrendevouzes jedoch unblutig blieben, haben auch Peter, Herbert und Gernot nichts von dem mitbekommen, was vor dem Kaisersaal passiert ist.
Bei der Verbeugung kann ich dann zumindest für alle anderen Licht ins Dunkel bringen. Ich frage ins Publikum: „Ist heute ausnahmsweise einmal kein Arzt, sondern ein Optiker da?“. Erzähle die Geschichte und hoffe, dass jemand im Saal ist, um meine Brille zumindest so herzustellen, dass ich den Heimweg nicht ohne meine 6,5 Dioptrin-Verstärkung antreten muss. Tatsächlich bei der Autogrammstunde, die ich irgendwie in Umrissen miterlebt habe, kommt eine Frau auf mich zu (Anmerkung des Autors: das klingt jetzt wie eine Geschichte von Alfred Gusenbauer, der hat seine Geschichten auch immer mit: „kommt eine Frau auf mich zu“ begonnen) und sagt, ihr Sohn ist Optiker und er ist gleich mit seinem Reparaturkoffer unterwegs in den Kaisersaal.
Wenige Minuten später ist der vermeintliche Retter schon hier und ein Blick genügt, schon kommt sein fachmännisches Urteil: „Ja, die Brille ist kaputt“. Experten leisten mehr. An dieser Stelle sage ich nicht, dass es sich hierbei um Christoph von Optik Greiner handelt, um nicht geschäftsschädigend zu sein. Im Ernst, vielen Dank an Christoph und seine Mutter für die liebenswerte Hilfe, fürs erste wurde die Brille zusammengeklebt. Montags drauf bei meinem Optiker hat sich nämlich bestätigt, dass es sich bei der Brille um einen wirklich komplizierten Bruch handelt. Die Brille fällt zumindest für die weitere Frühjahrssaison aus, ja sogar ein plötzliches Karriereende stand kurz im Raum. Angelehnt an die Verletzung von Marlies Schild bekommt nun meine Brille den Spitzennamen „Marlies“. „Marlies“ ist frühestens erst wieder in 14 Tagen einsatzbereit, da die nötigen Teile für eine Operation erst bestellt werden müssen. Daher habe ich auf die Schnelle auch eine neue Brille bekommen, und diese werde ich jetzt nicht nach noch einer Skiläuferin benennen, ich glaube nämlich „Niki“ wäre ein schlechtes Omen.
Vorschläge für den Namen meiner neuen Brille bitte ins Gästebuch oder an info@comedyhirten.at
Liebe Grüße und bis bald,
Christian
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